Wahlprogrammteil: Bildung und Jugend


Die Schulpolitik wird seit Jahrzehnten von experimentierfreudigen Politikern als Spielwiese missbraucht. Es wird mit immer neuen pädagogischen Erkenntnissen argumentiert, wenn überhastet und ohne ausreichende Beteiligung aller Betroffenen “Bildungsreformen” möglichst allgemeingültig und ohne Übergangsfrist durchgesetzt werden. Später, wenn sich die Änderungen als ungeeignet herausgestellt haben, wird meist auch die Reformunwilligkeit der Beteiligten als Grund für die Rücknahme angeführt. Diese Schuldzuweisungen an Eltern und Lehrer müssen ein Ende haben!

Schulpolitik kann nur sinnvoll gestaltet werden, wenn alle Beteiligten sich gleichberechtigt an der Planung beteiligen können. Jede Art einer verordneten Reform „von oben“ hat bewiesen, dass es kein allgemeingültiges Rezept zu einer verbesserten Bildungspolitik im schulischen Bereich geben kann, da der Individualität der Schüler, der Lehrkräfte und auch der Selbstbestimmung der Schulen so zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Wir PIRATEN wollen, dass jeder Schüler nach seinen Stärken und Schwächen in der Schule die Möglichkeit hat, Wissen zu erlangen, und sprechen uns daher für den Unterricht in kleineren Lerngruppen aus, um auch den Lehrkräften die Möglichkeit zu geben, ihrem Bildungsauftrag gerecht werden zu können.

Neben den Lehrkräften sind Schüler und Eltern stärker als bisher in die Entscheidung über das Spektrum der Wissensvermittlung und Art der Vermittlung durch Mitbestimmung einzubeziehen. Wir sehen Elternbeirat und Schülersprecher im Zeitalter des Internets nicht mehr als ausreichende Beteiligungsform an.

Kindertagesstätten

Jedes Kind hat ein Anrecht auf einen Kindergartenplatz!
Daher setzen sich die PIRATEN in Marzahn-Hellersdorf dafür ein, dass der gesetzliche Anspruch auf einen Kitaplatz, aktuell ab 3 Jahren und von 2013 an ab dem 1. Lebensjahr, für alle Kinder im Bezirk Realität wird. Gerade in den Siedlungsgebieten Mahlsdorf-Süd und Kaulsdorf-Süd fehlen bereits jetzt geeignete Plätze, eine Vorbereitung auf die Erweiterung des Anspruchs auf einen Kitaplatz ab 2013 ist nicht erkennbar. Es sind zusätzliche Kitaplätze zu schaffen, damit alle Kinder in dieser wichtigen Phase ihrer Entwicklung gleichermaßen auf ihre Zukunft vorbereitet werden können.
Die aktuelle Praxis der Verteilung von Gutscheinen für Kitaplätze lehnen wir kategorisch ab. Sie verstößt gegen die Grundsätze des Persönlichkeits- und Datenschutzes, sowie der Datensparsamkeit und diskriminiert berufstätige Eltern. Eine Bedarfsprüfung muss daher schon jetzt vollständig entfallen und jedem Kind ist ein Kitaplatz zur Verfügung zu stellen, unabhängig von seinen Lebensverhältnissen.
Frei werdendes Personal aus der Verwaltung, auf Grund des Wegfalls der Bedarfsprüfung, kann der Familienfürsorge zugeführt werden und dort für Entlastung sorgen.

Besonders hervorzuheben ist die engagierte Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher an den Kitas, welche auch mit geringen Mitteln die Entwicklung der Kinder und deren pädagogische Förderung vorantreiben. Für die PIRATEN in Marzahn-Hellersdorf ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Zugang zu Bildung und Erziehung kostenlos ist und daher ist es für uns nicht tragbar, dass die Kitas im Bezirk auf die Mitarbeit und finanzielle Unterstützung von Eltern angewiesen sind, um z.B. dringend erforderliche Renovierungen durchzuführen. Daher setzen wir uns für eine bedarfsgerechte Finanzplanung aller Kitas im Bezirk ein, die es ermöglicht die Gebäude Instand zu halten und Raum lässt, nötige Anschaffungen selbstständig zu tätigen.

Planbarkeit der Schulkarriere

Das Primat der Schulplanung muss bei den Kindern und ihren Erziehungsberechtigten liegen. Gemeinsam soll entschieden werden können, welche Schulform die Kinder wählen und besuchen möchten. Ferner muss auch entschieden werden können, ob eine Schule in Marzahn-Hellersdorf oder außerhalb des Bezirks besucht wird und mit welcher speziellen Schulbetonung (naturwissenschaftlich, musikalisch, sprachlich) die Schulauswahl erfolgen soll.

Hierfür wollen wir PIRATEN die komplette Wahlfreiheit ermöglichen.

Jahrgangsübergreifendes Lernen

Lehrkräften, Schülern und Erziehungsberechtigten ist die Möglichkeit zu gewähren, über das Spektrum der Wissensvermittlung und Art der Vermittlung mitzubestimmen.
In jeder Schule soll es deshalb ein oder ggf. auch zwei Klassenzüge bis zur zweiten Jahrgangsstufe geben, die nach dem JÜL-Prinzip (jahrgangsübergreifendes Lernen) eingerichtet sind. Daneben soll es jedoch auch mindestens zwei Klassenzüge geben, die eine konventionelle Schulkarriere über die erste und zweite Klasse ermöglichen.
Dabei setzen wir uns für die freie Wahl zwischen Kursen zur Wissensvermittlung unabhängig von der Altersklasse ein.

Variable Gymnasialphase

Wir setzen uns für eine möglichst hohe Flexibilität in der Schullaufbahn der Lernenden ein. Die Zuordnung von Lerninhalten innerhalb des jetzigen Schulsystems in Haupt- und Realschule bzw. Gymnasium oder Sekundarschule widerspricht der Individualität der Lernenden. Es ist ein Kurssystem einzurichten, dass es jedem zu unterschiedlichen Zeitpunkten ermöglicht, Kurse mit höherem Lernanspruch zu beginnen.

Lehrmaterialien

Soweit möglich, sollen an Kitas und Schulen in Marzahn-Hellersdorf bisher lizenzpflichtige Lehrmaterialien durch solche ersetzt werden, welche unter einer freien Lizenz veröffentlicht wurden. Dies vereinfacht den Austausch solcher Materialien und schützt vor etwaigen Ansprüchen Dritter bei der Vervielfältigung und Weitergabe. So lässt sich Geld für die Lizenzgebühren sparen, welches stattdessen an anderer Stelle für die Förderung der Kinder und Schüler verwendet werden kann.

Medienkompetenz

Medienkompetenz ist die Grundlage, um mit Wissen und den Möglichkeiten im Internet verantwortungsvoll umzugehen. Wir PIRATEN halten die Steigerung der Eigenverantwortung im Zusammenhang mit der Aufklärung über die Verbreitung von Informationen im Netz für sinnvoller, als durch Gebote oder Verbote den Zugang zu Informationen und Wissen einzuschränken. Medienkompetenz ist kein separates Lehr- und Lerngebiet, sondern betrifft alle Gebiete des zu vermittelnden Wissens. Um die Medienkompetenz an Schulen in Marzahn-Hellersdorf zu erhöhen setzen wir uns für das folgende Drei-Punkte-Programm ein:

1. Als Sofortmaßnahme sind nach Möglichkeit bereits im laufenden Schuljahr die Lehrkräfte durch Nicht-Lehrende mit entsprechendem Fachwissen zu unterstützen. Hierzu ist in Form von Ausschreibungen der Bezirksverwaltung geeignetes Personal zu akquirieren. Die Möglichkeit der Einbeziehung von Schülern mit entsprechendem Fachwissen höherer Altersklassen ist dabei zu beachten. Spätestens im kommenden Schuljahr ist die Unterstützung der Lehrkräfte sicherzustellen.

2. Alle Lehrkräfte sind in Medienkompetenz durch Fortbildungskurse zu schulen, entsprechende Kursprogramme sind innerhalb des laufenden Schuljahres vorzubereiten und im kommenden Schuljahr durchzuführen.

3. Unterrichtsinhalte und deren Vermittlung sind unter Einbeziehung der Möglichkeiten des Internets, Verwendung von geeigneter Soft- und Hardware anzubieten. Jedem Schüler ist temporär der Zugang zum Netz in der Bildungseinrichtung zu ermöglichen.